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Szenario für den Krieg

Kommentar: USA geben Israel Freibrief für einen Angriff


Von Charly Kneffel

Wenn man sich nicht selbst in Hysterie versetzen will, kann man sich ja einbilden, das seien alles nur propagandistische Töne um die festgefahrene Diplomatie doch noch in Gang zu setzen. Doch diese Töne entwickeln ihre eigene Dynamik. Der halbherzige Versuch, den Iran in einen Dialog einzubinden, den Präsident Obama vor rund zwei Monaten gemacht hat, ist ebenso Geschichte wie der durchsichtige Versuch , den gemäßigten Teil der Mullah-Nomenklatura mittels Wahlen und begleitenden Unruhen zu stürzen.



Ahmadinedschad ist immer noch im Amt und irgendwelche Indizien, er könne seine Haltung zum iranischen Atomprogramm ändern, gibt es nicht.

So wie es aussieht, werden derzeit - obwohl die Möglichkeit, die ganze Angelegenheit noch zu stoppen, jederzeit offen ist - die Vorbereitungen für einen Waffengang, dessen Ausgang überhaupt nicht überschaubar ist, getroffen. Vize-Präsident Joe Biden machte in seinem Gespräch mit dem Fernsehjourmalisten George Stephanopoulos auf ABC den Anfang, den man auch als allerletzte Drohung verstehen könnte, - die Sunday Times berichtete von einer inoffiziellen Erlaubnis der Regierung Saudi-Arabiens (die natürlich sofort dementierte) das ölreichste Land der Erde habe bereits das Überflugrecht für israelische Militärmaschinen zugesagt.

Die Crux dabei ist, daß bei diesem Drohverhalten ein Einlenken der iranischen Regierung gleichbedeutend mit ihrem Sturz wäre. Entweder setzt die US-Administration wirklich darauf, der Regierung Ahmadinedschads, erkennbar angeschlagen, weil nicht mehr Im Besitz der Rückendeckung der gesamten Mullah-Gruppe, doch noch stürzt, oder das Kalkül heißt: Krieg.

Militärisch ist eine vollständige Ausschaltung der iranischen Atomindustrie kaum zu machen, dazu ist sie zu weitläufig, denkbar wäre ein schwerer Rückschlag mit dem Ziel den Iran zu destabilisieren. Doch auch das ist  trotz der unklaren Haltung Rußlands  unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre bei einem ernsthaften israelischen Angriff auf den Iran die sofortige Solidarisierung der gesamten arabisch-islamischen Welt mit dem angegriffenen Staat. Regime, die dem entgegen stünden, hätten selbst eine geringe Halbwertzeit, vor allem Saudi-Arabien.

Ernsthaft ins Auge fassen müßte man dann ein richtiges Großreinemachen im gesamten Nahen Osten, mit Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan und allem, was das kreucht und fleucht. Das aber hätte auch Auswirkungen auf Europa, den zu glauben, ein solcher Waffengang ließe sich in der Region einhegen, ist rührend naiv, zumal sich die große deutsche Politik durch ihr immer weiter ansteigendes Engagement in Afghanistan ja selbst zur kriegsführenden Nation gemacht hat. Es wäre eine böse Ironie der Weltgeschichte, wenn die 200.000 netten Menschen, die Obama 2008 an der Siegessäule gelauscht und zugejubelt haben, so schnell auf die Erde herabgeholt würden.

Veröffentlicht: 6. Juli 2009



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