Proteste gegen EU – Importverbot für Robbenfleisch

Olympischer Glanz wird jetzt von Blut überströmt

Von Janna Heine

Kanadische Politiker demonstrierten im Parlament in Ottawa mit einem festlichen Essen gegen das EU – Importverbot für Robbenfleisch. Das edle Restaurant im Parlament servierte vom Robben – Häppchen bis zum Steak im Speckmantel so ziemlich alles, was man aus Robbenfleisch herstellen kann. Politiker bezeichneten ihre Aktion als Solidarität mit Robbenjägern, Tierschützer sahen sie als „ sinnlose Provokation“. Im März begann die Saison für die grausame Abschlachtung von 338.000 Robben.



„Fleischig, etwas streng und kräftig“, sagte Michael Ignatieff, Anführer der Liberalen im kanadischen Parlament. „Aber es schmeckt auch gut.“ Gemeint hat er Robbenfleisch, das er gemeinsam mit anderen kanadischen Politikern genüsslich verzehrte. Das Festessen sollte die Solidarität der Politiker mit den Robbenjägern, die meist Inuit, die Eskimos, sind. Der blutige Feldzug startet jetzt wieder und überdeckt den Glanz den Kanada durch Olympia erlangte.

Nachdem die EU ein Importverbot für Robbenfleisch verhängt hat, sehen sich viele Jäger in ihrer Existenz bedroht. Die Brutalität, die die Robbenjäger bei ihrer Jagd anwenden veranlasste die EU zu diesem Handeln. Die Tiere werden meist mit Holzknüppeln erschlagen, ertränkt oder bekommen Metallhaken in den Schädel gerammt, da Schüsse das Fleisch und die Haut zerstören würden.

Senatorin Celine Hervieux-Payette behauptete, dass 50.000 Menschen von der Jagd auf die Säuger leben würden. Anscheinend mache für die Jäger das Robbenfleisch ein Drittel des Haushaltseinkommens aus. Gegen das EU – Importverbot hat Kanada deshalb auch schon im November 2009 eine Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingereicht.

Tierschützer hingegen beobachteten, dass häufig nur das Fell und das Leder der Tiere verwendet wird und die gehäuteten Tiere, manchmal noch lebend, auf den blutverschmierten Eisschollen zurück gelassen werden. „Die Tierschutzgruppen sind die wahren Schlächter, da sie allesamt für die Sabotage einer ganzen Industrie verantwortlich sind“, hält Hervieux-Payette dagegen.

Die schwangeren Robbenmütter ziehen ab November nach Grönland um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Wenn die Jäger kommen bleiben die Mütter meist bei ihrem Nachwuchs um ihn zu beschützen. Sobald die Mütter getötet wurden, seien die um die 14 Tage alten Robben, die weder schwimmen noch beißen können, den Jägern hilflos ausgeliefert, wie die Tierschutzorganisation PETA berichtete und in heimlich gefilmten Videos öffentlich machte.

Als Schlachtgrund für die Robben wird neben dem wirtschaftlichen Nutzen auch die Sicherung des Fischbestandes angegeben. Laut PETA gäbe es aber keine Studien zu dieser Aussage. Robben würden sich sowieso von Fischen ernähren, die für die Industrie irrelevant seien. Die Aktion der Politiker bezeichnet der Wildtierexperte Thomas Pietsch des Tierschutzvereins „ Vier Pfoten“ als „sinnlose Provokation.“ Er denkt: „Das wird zu nichts führen, vor allem nicht zu einer Aufhebung des Importverbots“.

Die kanadische Fischereiministerin Gail Shea versicherte hingegen: „Wir werden dafür sorgen, dass Robbenjäger weiterhin von ihrem Gewerbe leben können“. Für sie ist die Jagd auch ein Stück Tradition, die „ausschließlich zum Wohlstand und zur Vielfalt“ des Landes beitrage. Für solche Aussagen bekam sie neulich von Tierschützern eine Torte ins Gesicht geworfen. Traurig wenn sich die Tradition eines Landes über eine widerlich blutige Art der Abschlachtung von Tieren definieren muss.

Veröffentlicht: 12. März 2010





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