Doch - was immer man sonst über ihn denken mag - der alte Rudolf Augstein würde sich gewiß im Grab umdrehen, mit welchen (schein-) heiligen Methoden das von ihm gegründete Blatt jetzt Politik macht. Andere beteiligen sich daran. Mag man sich auch ekeln - Sinn hat das Ganze. Oskar Lafontaine soll aus der Politik ausgeschaltet werden. Er gilt als das größte Hindernis dafür, die Linke wieder - auch auf Bundesebene - systemgerecht umzugestalten, um sie dann vielleicht irgendwann in den Schoß der Großen Mutter SPD zurückzuholen - oder diese zu ersetzen.
Genau das ist nämlich aus Sicht eines Teils der politischen Klasse und ihrer Propagandisten in den Medien nötig, nachdem die Strategien, die PDS bzw. Linkspartei auszuschalten oder in den politischen Narrensaum zu treiben, wie das unverdrossen verbitterte Reaktionäre vom Schlage eines Hubertus Knabe tun. Spätestens nach dem Durchbruch der Linken im Westen ist dieses Ziel mittelfristig unerreichbar.
Hinzu kommt - was immer von dem teilweise romantisch - utopistischen Teil der Partei im einzelnen halten mag - daß mit dem Durchbruch der Partei im Westen auch politisch alte - für überwunden gehaltene - Fragen und Richtungskämpfe wieder aufgebrochen . Das müßte aus dieser Sicht noch nicht allzu schlimm sein -höchstens lästig - doch daß die Krise im Finanz- und Wirtschaftssektor andere Ausmaße hat als der Öffentlichkeit nicht nur aus wahltaktischen Gründen bisher mitgeteilt, ist so manchem dann doch klar.
Doch bis 2013 soll die Linke reif sein für die Teilnahme an einer Bundesregierung. Manche träumen unverdrossen den Traum von einer modernen Linken, der, neben allerlei anderen Bewegungen, irgendwie auch die Arbeiterschaft, obwohl die auch gerne als reaktionär verdächtigt wird, beteiligt sein (deutsch: neutralisiert werden). Der Gedanke hat surrealistische Züge: In einer Situation, in der ehemalige ökomische Weltlokomotive USA in einer Weise verschuldet ist, die nie aus normalem Wege ausgeglichen werden kann, in der keiner weiß, was aus der Weltwirtschaft wird, in der die Deindustrialiserung Deutschland bereits weit fortgeschritten ist und in der für jeden auch nur halbwegs vernünftigen Menschen die Kriegsgefahr unübersehbar ist, haben manche Menschen keine anderen Sorgen.
So geht jetzt - wie von uns auch vorhergesehen - das Lafontaine-Bashing los. Gern auch assistiert von linksradikaler Seite, wo man Lafontaine gerne auch Rechtspopulismus vorwirft. Dort macht man sich aber auch Gedanken darüber, ob man Opel retten soll, weil das doch nicht ökologisch genug sei. Heilige Einfalt! Doch auch so ist klar, daß der authentisch linke Kern der Partei, die ihn im Namen führt, verschwindend klein ist. Die anderen wollen Sozialdemokratie - einige sind auch schon abgewandert. Das wird aber nicht reichen.
Ob an den Gerüchten über private Verquickungen im Umkreis Lafontaines etwas dran ist, wissen wir nicht. Wir werden dazu auch nicht recherchieren, denn es ist egal und geht nur die betroffenen Menschen selbst etwas an. Die politische Absicht aber, jetzt einen Haufen Dreck zu werfen und Lafontaine entweder unmöglich zu machen oder dafür zu sorgen, daß er den Bettel hinwirft, ist klar. Hoffentlich hat das alte Schlachtroß aus Saarbrücken genügend Nerven, um sich diesen Tort lange anzutun.
Veröffentlicht: 17. November 2009
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