Titel    Politik    Berlin-Brandenburg    Kommentare    Umwelt    Wirtschaft    Kultur    Medien    Panorama    Sport    Fußball    Interviews    Verkehr    Spiele

Blanker Zynismus der Bundeskanzlerin gegenüber sozial Schwachen

Union will nach der Bundestagswahl Zwangsarbeitsdienst gesetzlich einführen


Von Charles Duremont

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt es kategorisch ab, die Hartz-IV-Regelsätze zu erhöhen. Wir müssen aufpassen, dass derjenige, der den ganzen Tag arbeitet, zum Schluss mehr Geld hat als wenn er nicht arbeitet, sagte Merkel in einem von Jugendlichen geführten Interview in der gestrigen Ausgabe der "Welt am Sonntag" zum Thema Gerechtigkeit kinderleicht.


Bild: Yvonne Szag

In diesem Zusammenhang hat der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linken, Oskar Lafontaine der Kanzlerin Zynismus vorgeworfen. Lafontaine: "Die Bundeskanzlerin ist zynisch. Ihre Erklärung, der Hartz IV-Satz könne nicht erhöht werden, da diejenigen, die arbeiten, mehr bekommen müssten, als diejenigen, die nicht arbeiteten, ist unlogisch. Gerade die Bundeskanzlerin trägt durch die Verweigerung des gesetzlichen Mindestlohns Verantwortung dafür, dass in Deutschland Löhne von drei bis vier Euro gezahlt werden und Menschen, die jeden Tag acht Stunden arbeiten, zusätzlich noch Hartz IV beziehen müssen. Notwendig wäre es gerade jetzt, einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, der sich an Frankreich (zurzeit 8,82 Euro) oder Luxemburg (zurzeit 11,67 Euro) orientiert, so Lafontaine

Für Hartz IV Bezieher wird aber nach der Bundestagswahl der gesellschaftspolitische Amoklauf weitergehen. Sollten CDU/CSU und FDP, woran derzeit niemand zweifelt, die künftige Bundesregierung bilden, drohen noch mehr Blut, Schweiß und Tränen auf diejenigen zuzukommen, die heute bereits unter dem Existenzminimum ihr Dasein fristen. Die FDP sagt bereits jetzt offen, dass die Regelsätze um 30 Prozent gekürzt werden sollen.

Auch die Union ist der Auffassung, dass der ALG II Regelsatz zu hoch ist. Hier ist allerdings ein filigraneres und somit auch weit zynischeres Vorgehen geplant. CDU/CSU wollen laut ihrem Regierungsprogramm für ALG II Empfänger sogenannte "Anreize zur Arbeit" schaffen, die nichts weiter beinhalten, als dass die bereits lange geplante Abschaffung der Freibeträge für Zusatzverdienste von rund 100 Euro Brutto auch noch ersatzlos gestrichen werden.



Damit jedoch noch nicht genug. Die Pflicht zur Gegenleistung für das stattliche Almosen soll nach dem Willen der Union gesetzlich verankert werden, was nichts weiter bedeutet, dass Hartz IV Empfängerinnen und Empfänger in Zukunft ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung zu stellen haben, ansonsten werde ihnen sämtliche Leistungen ersatzlos gestrichen. Die immer noch auf dem Papier stehende Verpflichtung einer Gemeinnützigkeit bei den 1 Euro Jobs soll dabei ebenfalls komplett wegfallen und die Hartz IV Bezieher sollen, ebenfalls nach dem Willen der Union, auch in der Privatwirtschaft eingesetzt werden können.

Hierdurch wird nicht nur ein gesetzlich verankerter Zwangsarbeitsdienst eingeführt, sondern auch dem weiteren Lohndumping sämtliche Türen weit offen gehalten. Die Bundesrepublik Deutschland hat zwar das Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen ratifiziert, jedoch mit der Einführung von Hartz IV schert sich keine Regierung hierzulande mehr darum. In Artikel 2 des ILO-Übereinkommens über Zwangs- und Pflichtarbeiten wird präzise definiert, dass "jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat" ausdrücklich verboten sind, und zwar sowohl nach Artikel 8 III des internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (in Deutschland in Kraft getreten am 23. März 1976) als auch nach den ILO-Übereinkommen Nummer 29 und Nummer 105 über die Abschaffung von Zwangsarbeit vom 5. Juni 1957. Ausgenommen sind danach ausdrücklich nur Arbeitspflichten im Rahmen des Militärdienstes, im Katastrophenfall oder Arbeitspflichten, die auf einem Strafurteil basieren.

Hinter den Plänen der Union, Zwangsarbeit und moderne Sklaverei wieder einzuführen stecken sowohl die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die nach eigenem Bekunden allen Ballast, der die Wirtschaft belastet, über Bord werfen will, als auch das  Institut für Wirtschaftsforschung (IFO). Unter dem Begriff "Workfare" hat diese  Interessengemeinschaft der Wirtschaft das Modell entwickelt, wonach künftig das ALG II verbindlich an die Aufnahme eines 1 Euro-Zwangsjobs gekoppelt werden soll. Ein gekürzter Hartz IV Regelsatz soll demnach als sogenannter Grund oder Basislohn dienen, den die Almosenempfänger dann, wollen sie nicht elend verrecken, durch Zwangsarbeit  aufstocken müssen.

Es zeigt sich mal wieder allzu deutlich, die Union ist der Handlanger einer von sämtlichen sozialen Grundstandarts losgelösten Politik des raffenden Kapitals. Von sozialer Marktwirtschaft, wie sie einst von deren Erfinder Oswald von Nell-Breuning konzipiert wurde, ist die Union weiter entfernt, als die Erde vom Mond. Oskar Lafontaine hat somit recht, wenn er die Einführung eines Mindestlohns am Standard Luxembourgs fordert. Klar muss jedoch auch sein, dieser Mindestlohn darf nicht via Hintertür wieder durch 1. Euro Zwangsarbeitsjobs unterlaufen werden. Um dies zu verhindern werden vor allem die Gewerkschaften mit ganzer Kraft gefordert sein. Aber auch die Wählerinnen und Wähler können darüber am Wahltag abstimmen, ob die Unionspläne künftig Realität werden, oder ob der geplante zynische Cup der Union und ihrer Think Thanks, die heute noch tariflich entlohnten Facharbeiterinnen und Facharbeiter, morgen schon zu 1 Euro Sklaven am gleichen Arbeitsplatz degradieren werden.

Veröffentlicht: 20. Juli 2009



Alle Schlagzeilen und Eilmeldungen sofort auf ihrem Bildschirm


13. August 1961 – vor 48 Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut


Der Ball rollt wieder

Heute startet die Bundesliga in die neue Saison... Und die Berliner Umschau hat einige – subjektiv ausgewählte – Fußball-Lieder zur Einstimmung












400.000 bei „Haltestelle Woodstock“

Längst ist die „Haltestelle Woodstock“ Europas größtes Open Air Festival. Und in diesem Jahr kamen besonders viele – 400.000 pilgerten vergangenes Wochenende nach Küstrin. 50 Bands waren vor Ort, darunter Guano Apes aus Deutschland. „Haltestelle Woodstock“ wird seit 1995 von der polnischen Hilfsorganisation Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy organisiert, die Spenden für Kinderkrankenhäuser sammelt.








Frank-Walter Steinmeier: „Deutschlandplan“ der SPD




Tägliche Pressekonferenz des Weißen Hauses




Tägliche Pressekonferenz der Vereinten Nationen


Filmstarts vom 30. Juli 2009

Wetterschwankungen zwischen praller Hitze und Dauerregen – bietet sich ein Kinobesuch als Alternative an. Am heutigen Donnerstag starten wieder neuen Produktionen. Und für alle, die schon mal einen Blick werfen wollen – die „Berliner Umschau“ hat die Trailer.
Weiter

 



Politik im O-Ton:

Traumlandschaften einer Kurfürstin ...

... verspricht die Landesgartenschau in Oranienburg. Und das hält die Schau auch. Noch bis 18. Oktober kann sie direkt am einstigen Schluß von Prinzessin Louise Henriette besichtigt werden. Die „Berliner Umschau“ war schon dort und hat die Bilder. Zum Ansehen einfach auf das Bild klicken.




Blicke aus dem verschwundenen Land

Noch bis Anfang Oktober zeigt die Akademie der Künste die Ausstellung „Übergangsgesellschaft. Porträts und Szenen 1980-1990“. Präsentiert werden Foto- und Filmarbeiten, die in den 80er Jahren in der DDR entstanden sind. Es sind Bilder zu sehen, die poetisch oder dokumentarisch, die Befindlichkeiten der Menschen in jenen Jahren darstellen: unpathetische Bilder eines Epochenumbruchs. Die „Berliner Umschau“ war vor Ort und hat schon ein paar Bilder mitgebracht. Zum Ansehen einfach auf das Bild klicken.


 

Hertha BSC – Der Bundesliga-Kader 2009/10

Das wird eine schwere Saison für Berlins Bundesligisten Hertha BSC. Viele Leistungsträger sind weg, für prominente Neuzugänge fehlt das Geld. Nun muß Trainer Lucien Favre wieder einmal Talente schmieden. Aber das ist er ja bereits gewöhnt. Am Dienstag stellte die Mannschaft ihren neuen (und weitgehend alten) Kader vor. Die „Berliner Umschau“ war vor Ort und hat die Bilder aller Spieler.
Zum ansehen einfach auf das Bild klicken.



Bilder: Energie Cottbus in der 2. Liga

Aus der Bundesliga verabschiedete sich Energie Cottbus mit einer Blamage-Relegation (die an gefühlte Spielverweigerung grenzte). Nun bereiten die Lausitzer die kommende Zweitliga-Saison vor. Der genau Kader steht erst am Ende der Transfer-Phase am 31. August endgültig fest. Doch das Mannschaftsfoto für die Spielzeit 2009/10 gibt es schon – es zeigt durchaus einige Erstliga-Spieler wie Rost und Angelov. Die „Berliner Umschau“ hat die Bilder der Energie-Kicker.
Zum Ansehen einfach auf das Bild klicken.





Berliner Umschau – Dossiers

Außenpolitik unter Obama




Neokonservatismus in den USA




Marx Erben


Bannerexchange von DEFW-Bannertausch.de
Webmaster: Banner + Bannererstellung + Bannertausch - Kostenlos!

- Weitere Spiele







Berliner Umschau Ltd Gaudystr. 6 10437 Berlin Tel./Fax: 030 / 47 71 591 Mail: berliner_umschau@yahoo.de Impressum