Londoner Studie über Identifizierung muslimischer Einwohner in elf EU-Ländern
Von Eileen Atci
„Ja ich bin ein Berliner, aber kein Deutscher“. So sehen sich, laut einer Studie des Open Society Instituts in England, rund 70 Prozent der 200 befragten Muslime und Nichtmuslime in Berlin- Kreuzberg und Hamburg. Nur elf Prozent der Befragten in Deutschland, fühlen sich dem Land, indem sie leben, zugehörig. Wenn es um das internationale Zugehörigkeitsgefühl geht, steht Deutschland eher weiter hinten. An der Spitze steht London. Hier fühlen sich 70 Prozent der befragten Muslime als Engländer.
Am Montag wurde der Bericht und die Auswertung im Roten Rathaus vorgestellt. Insgesamt wurden 2200 Muslime, wie Menschen mit anderen Religionen unter anderem in Deutschland, Schweden, Dänemark, Frankreich, Niederlande und in Belgien befragt. Insgesamt wurden Menschen in elf europäischen Ländern befragt. Nur ein Viertel der in Berlin und Hamburg befragten Muslime konnten sich mit Deutschland identifizieren. Die Mehrheit jedoch fühlten sich nur in ihrem Kiez heimisch.
Laut der Ethnologin Nina Mühe von der Europa Universität in Frankfurt Oder, die an der Berliner Umfrage beteiligt war, gab jeder zweite an, aufgrund seiner Herkunft oder seiner Religion schon einmal diskriminiert worden zu sein. Viele fühlen sich nicht akzeptiert. Doch es würden sich auch rund 80 Prozent der Wahlberechtigten an der Wahl beteiligen, so Mühe. Aber viele der hier in Deutschland lebenden Muslime haben nicht mal einen deutschen Pass. Die Zahlen von Einbürgerungen sind europaweit in der Bundesrepublik am niedrigsten. Die Anforderungen für einen solchen Pass sind sehr hoch angesetzt. „Hier tut sich Deutschland, vor allem auch mit Mehrfach-Staatsbürgerschaften, viel schwerer als andere Länder in Europa“, so Günter Piening der Berliner Integrationsbeauftragte.
Piening hielt die Studie für „alarmierend“ und sieht den Grund für dieses nicht vorhandene Zugehörigkeitsgefühl in der zu spät begonnenen Einwanderungspolitik. Werner Schiffauer, von der Europa Universität in Frankfurt Oder, wies auf den ersten Bericht in den Bezirken hin. Die meisten Diskussionen über die Integration in Deutschland seien von dem gesamt Eindruck in der Bundesrepublik geprägt. Doch die Äußerungen der befragten Menschen zeigen, dass die Integration funktioniert, jedoch eher auf lokaler Ebene.
Entgegen dem Eindruck in Deutschland, wollen sich die Muslime nicht „ausgrenzen“, so Schiffauer. Der Großteil der Befragten würden gerne in ethnisch und kulturell gemischten Wohngegenden leben. Daß sich muslimische Eltern nicht so wirklich für die Schullaufbahn ihrer Kinder interessieren, sei auch nur eine falsche Wahrnehmung denn oft sei es nur die Sprachbarriere, welche die Eltern erst einmal überwinden müssten, so Schiffauer. Die Vermutung, dass vor allem Araber und Türken nicht integriert werden wollen seien eben so falsch „denn diese Verknüpfung trägt zu dem stereotypen Bild von den ‘fremden’ Muslimen folgenschwer bei.“,sagte Schiffauer. Eine stärkere Motivation der Muslime sich zu engagieren wäre nun sehr wichtig.
Veröffentlicht: 26. Januar 2010
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