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Berlin und der Jugendstil

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Wer eine Stadtrundfahrt durch Berlin macht, begibt sich gleichzeitig auf die Spuren der deutschen Baugeschichte. Von den Bauten des Barock über die des Historismus bis hin zu den Einheitsbauten der 1950er und 1960er in Berlins Osten und den neumodischen Wolkenkratzern mit Rasterfassade reicht das Spektrum der Baustile in der Bundeshauptstadt. Ganz klar wird bei einer Fahrt durch die Stadt aber auch, dass eine Epoche der Baugeschichte Berlin ihren Stempel besonders aufgedrückt hat – der Jugendstil.

Was ist überhaupt „Jugendstil“?

Zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert wurde eine neue kunstgeschichtliche Epoche „geboren“. Der „Jugendstil“ hielt nicht nur in der Baukunst, sondern auch in der Malerei, der Literatur und anderen Bereichen der Kunst Einzug. Seinen Namen verdankt der Jugendstil der Tatsache, dass er aus einer Gegenbewegung junger, aufstrebender Künstler zum Historismus entstanden ist. Die Häuser des Jugendstils sind durch die Verschmelzung von Sandstein, Stahl, Glas und Eisen gekennzeichnet. Zu den bekanntesten deutschen Vertretern der Epoche zählen der Raumgestalter und Architekt Bernhard Pankok, der Münchner Baumeister Martin Dülfer oder auch der Möbelgestalter Bruno Paul. Aber natürlich war der Jugendstil kein deutsches „Phänomen“. In Frankreich hieß er „Art nouveau“, in Italien „Liberty“ nach einer englischen Handelsmarke und in Spanien „Modernisme“. Weitere Länder, in denen man noch heute Spuren des Jugendstils entdecken kann, sind Lettland, die Tschechische Republik, Belgien und einige andere. Die weltweit bedeutendsten Vertreter der Kunstrichtung waren der Wiener Maler Gustav Klimt, der tschechische Illustrator Alfons Mucha und der spanische Architekt Antoní Gaudí. In Berlin florierte zu Zeiten der „Art nouveau“ neben dem Schmuckhandwerk auch die Baukunst.

Jugendstil in Vollendung – Berlin-Moabit

Im Berliner Stadtteil Moabit entstanden zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert viele Häuser im Jugendstil. Der Abschnitt zwischen der Calvinstraße und der Kirchstraße erwartete die Besucher früher mit Jugendstil-Fassaden und prächtig dekorierten Hauseingängen. Deutlich wurde hier vor allem die Intention der Architekten, Gebäude als ein „Ganzes“ wahrzunehmen. Sowohl die Wahl der Materialien als auch die aufwendigen Verzierungen – alles war aufeinander abgestimmt. Die großen Fenster machten erstmals lichtdurchflutete Räume möglich. Der Sandstein war einfach zu bearbeiten und war somit prädestiniert für die aufwändige Fassadendekoration. Während des Zweiten Weltkrieges wurden jedoch viele der prunkvoll verzierten Gebäude zerstört. Trotz allem finden sich auch heute noch zahlreiche Spuren des Jugendstils in Moabit. Der Hauseingang in der Kirchstraße 24 lässt beispielsweise darauf schließen, wie prächtig die Fassade hier einst gewesen ist. Neben Wandfriesen und großen Spiegeln hat man hier die Möglichkeit, liebevoll gestaltete Blumenornamente zu bestaunen. Auch die Balkone der Thomasiusstraße 4 sind ein Musterbeispiel für den Jugendstil.

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Jugendstil oder nicht? – Die Hackeschen Höfe

Um den Jahrhundertwechsel herum entstanden in Berlin außerdem die Hackeschen Höfe. Die Fassade des ersten Hofes wurde vom Berliner Fassadendesigner August Endell gestaltet. Der hatte vom Kaiserhaus den Auftrag bekommen, die Fassade zu entwerfen. Entgegen des kaiserlichen Geschmacks verfügt der erste Hackesche Hof seit seiner Eröffnung 1906 nun über eine Jugendstilfassade. Geprägt ist diese von hohen Fenstern, die eine gewisse Leichtigkeit versprühen. Durch die verschiedenen Größen sowie die besondere Anordnung von Fenstern vermitteln die Häuserfassaden Bewegung beziehungsweise Beweglichkeit. Zwei unterschiedliche Fassaden – die eine strahlend blau und weiß, die andere in gedeckten Brauntönen gehalten – stehen sich in dem Hof gegenüber. Das lässt den Innenhof zu einem kleinen, pittoresken Platz werden. Früher war im in den Gebäuden unter anderem eine Studentenmensa untergebracht. Heute befinden sich in den Gebäuden unter anderem Büroräume. Die Hackeschen Höfe gehören zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Berlin.

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