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Insolvenz von Air Berlin

Air Berlin, Insolvenz, Bankrott, Zukunft ungewiss

Die zweitgrößte Fluggesellschaft und Niki-Mutter, Air Berlin, meldete diesen Monat Insolvenz an, nachdem einer ihrer Großaktionäre und Geldgeber, Etihad Airways, den Geldhahn zugedreht hat. Am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg wurde die Insolvenz in Eigenverantwortung, das heißt mit dem Ziel der Erhaltung und Sanierung des Unternehmens, angeordnet. Mit Hilfe eines Überbrückungskredites von 150 000 Euro seitens der Regierung soll die Air Berlin in der Urlaubszeit den Flugbetrieb fortsetzen. Verhandlungen über den Weiterbetrieb durch einen anderen Betrieb, wie der Lufthansa, sind bereits im vollen Gange. Eine Komplettübernahme wäre jedoch mit großen Hürden gesäumt. Die Aktie Air Berlin ist wie zu erwarten extrem, Spekulation zu Folge um die Hälfte des Wertes, abgestürzt.

Viele Ungereimtheiten

Michael O`Leary, der Chef von Ryanair, spricht bei einem Pressetermin von Lügen und Intransparenz. Angeblich wäre das Insolvenzverfahren nicht offen und Konkurrenzunternehmen hätten keine Chance, da ein Verkauf an Lufthansa bereits vorbereitet worden wäre. Offiziell wird allen Interessenten ein Blick in die Bücher gewährt, inwieweit es jedoch bereits Gespräche, Abmachungen oder auch Angebote im Hintergrund gab, bleibt fraglich. Obwohl es viele Angebote, so wie auch von der Wöhrl Gruppe, gibt, scheint es doch so, dass die Lufthansa wahrscheinlich den größten Anteil an Berlin Air bekommen wird.

Kritisiert wird von vielen Seiten vor allem auch der Staatskredit. Dieser sei ein sogenanntes „insolvenzrechtliches Novum“. Staatliche Unterstützung habe es bis jetzt noch in keinem Fall, weder bei Opel, noch Schlecker, gegeben. Die Frage: Warum also jetzt, bleibt berechtigt. Die wohl skurrilste Insolvenz aller Zeiten. Viele Fragen werden offen bleiben, vor allem, ob alles nur ein abgekartetes und im Vorhinein geplantes Spiel war, wird wahrscheinlich nie geklärt werden. Denn wenn sogar die eigenen Piloten, in einem Unternehmen, das kurz vor dem Aus steht, streiken, läuft irgendetwas ganz gewaltig schief.

Das Filetstück – die Billig-Airline Niki

Obwohl Niki auch mit Kollektivvertrag fliegt, sind die Kosten immer noch geringer als bei jeder anderen Fluglinie. Dadurch flog diese Airline, im Gegensatz zu vielen anderen, immer Gewinne ein. Doch das wirklich Wertvolle an dieser Fluglinie sind die Slots – die Start- und Landerechte einer Fluggesellschaft. Als die Air Berlin immer mehr in die roten Zahlen abstürzte, begann die Mutter, die Tochter zu schröpfen. Die Forderungen wuchsen und wuchsen. De facto war somit Niki bereits im Vorjahr überschuldet und am Limit. Auf diesen Forderungen wird Niki Air wahrscheinlich auch sitzen bleiben. Eine Insolvenz kommt nicht infrage, denn sonst wäre Niki nicht mehr Teil des Gesamtpaketes. Die Zukunft von Niki schwebt in der Luft. Fakt ist jedoch: Sollte die Lufthansa Niki Air aufkaufen, gäbe es in Österreich künftig in Monopol in der Luftfahrt.

Die Zukunft von Air Berlin scheint ungewiss und hängt im Moment am seidenen Faden. Der Bieterwettstreit ist im vollen Gange. Die seit über 40 Jahren bestehende Fluglinie steht kurz vor deren Zerschlagung. Immer wieder werden die fixen Entscheidungen und Pläne verschoben. Fest steht jedoch: Lufthansa wird den Löwenanteil und auch Niki Air übernehmen. Die Zeit für eine endgültige Entscheidung drängt jedoch. Täglich geht die Anzahl der Buchungen zurück und somit sind weitere Verluste vorprogrammiert. Das Pokerspiel um die Air Berlin wird sich somit noch über einige Runden ziehen.

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